Superheldenkräfte

Wenn ich eine Superheldin wäre, hieße ich „Little Miss Clumsy“. Miss Clumsy ist wirklich ungeschickt, sie läuft immer wieder gegen Türen und Möbelstücke, sie lässt Sachen fallen und ihr spezielles Talent ist es, Dinge kaputt zu reden.

Sie hat eine gute Intuition und erfasst schnell Situationen, das kann sie aber nicht richtig nutzen. Sie merkt zum Beispiel, dass etwas schief läuft, Missverständisse vorhanden sind, versucht es durch reden zu retten und macht es damit noch schlimmer.

Klingt nicht besonders heldenhaft. Wäre es ein Film, dann wäre sie am Ende immer noch tollpatschig, könnte aber ihre Ahnungen besser einsetzen und für sich und andere nutzen und hätte wohl auch einen schöneren Namen.

Das ist das Ergebnis einer spontanen Frage vom letzten Wochenende und ich merke immer mehr, wie gut das passt.

Ich habe eine gute Intuition, ich kann andere Menschen und Situationen schnell einschätzen und liege viel öfter richtig als falsch, aber sobald ich selbst ins Spiel komme, nutzt mir das gar nichts. Ich kann die anderen einschätzen, aber nicht, was sie von mir halten, ich habe kein realistisches, belastbares Selbstbild. Dazu passen übrigens auch meine blauen Flecken, die ich ständig neu entdecke, denn ich habe auch kein realistisches Bild von meinem Körper im Raum. Ich stoße mich an Möbeln, die immer am gleichen Ort stehen, ich bleibe an Türklinken hängen und ich stolpere über meine eigenen Füße.

Schön wäre es, meine Intuition könnte mir helfen, zu unterscheiden, wo ich mutiger sein darf, weil etwas Gutes passieren kann und wo ich besser aufpasse, weil Verletzungen drohen.  Im Augenblick zumindest klappt das nicht gut und ich entscheide mich immer wieder neu, ob ich lieber verschlossen bleibe und mir damit Chancen gar nicht erst schaffe oder ob ich mich öffne und eventuell scheitere.

Das macht mich unruhig und etwas unzufrieden, denn eigentlich will ich Veränderung statt Stillstand, aber bitte ohne Risiko.

Mal sehen, ob und wann Miss Clumsy zu einem neuen Namen kommt.

 

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Eigenlob (stinkt nicht)

Als Person, die sich schon öfter im Leben leicht verunsichern ließ, die negativen Fremdmeinungen viel Gewicht gibt und bei der Kritik schnell das Selbstbewusstsein wackeln lässt, bin ich mir manchmal gar nicht im Klaren, was ich eigentlich gut kann.

Nein, ich weiß, was ich gut kann, was gut an mir ist, aber ich spiele das schnell herunter, relativiere Lob und Komplimente und verschwinde lieber in der Masse, im Hintergrund.

Ich habe aber, neben all meinen Schwächen, neben allen Defiziten, auch jede Menge gute Seiten und Eigenschaften und habe beschlossen, eine „Selbstlobliste“ zu führen. Nicht hier, nicht öffentlich, aber für mich. Wenn dann mal wieder so ein Tag kommt, an dem mein Selbstwertgefühl etwas Nahrung brauchen kann, dann ist das vielleicht eine Möglichkeit, mich wieder aufzubauen.

Das Wissen um die eigenen Qualitäten ist eins. Das nächste Ziel ist dann, bei einem Lob oder Kompliment nichts mehr kleiner zu reden, sondern einfach nur „Danke“ zu sagen oder sogar auch „Ja, ich weiß“.

 

Über die Trauer

Die Trauer ist ein sehr treues Gefühl, sie verlässt mich nie ganz. Sie ist auch genügsam, sie muss mich nicht täglich bis in jeden Winkel meines Körpers ausfüllen. Manchmal genügt es ihr, tage-, wochen-, ja, auch monatelang zu schlummern, nur mal sanft an ihre Existenz zu erinnern.

Dann wieder ist sie zurück, ohne sichtbaren Grund, mit Macht, als sei sie ganz frisch, als wäre meine M erst gestern noch bei mir gewesen.

Am Wochenende habe ich das Grab bepflanzt, bunt wie immer. Es war warm, sonnig, ich war lange da und habe mit M gesprochen, ihr erzählt, was gerade passiert in meinem Leben, in dem ihres Bruders. Ich mache das jetzt das zehnte Jahr, jeden Frühling, buntblühende Pflanzen, ein buntes Grab, ich rede jedes Mal mit ihr, wenn ich da bin. Manchmal fließen Tränen, manchmal nicht.

Dieses Mal hat die Trauer mich überfallen wie noch nie am Grab, ich fühlte mich schwer und niedergedrückt und atemlos, ich glaube, ich saß noch nie so weinend vor der Grabstelle im Gras. Warum jetzt? Warum so? Weil Trauer so ist. Immerwährend und unberechenbar. Sie braucht keinen konkreten Anlass, sie ist da.

Ich habe ein gutes Leben, mit Fröhlichkeit und Freude, mit einem großartigen Sohn, und ich habe gelernt, dass es ok ist, wenn die Trauer sich zeigt. Es ist ok, wenn die Tränen fließen, es ist ok, und sie hören wieder auf. Das ist eben auch mein Leben.

Kleine M, ich werde, so lange ich lebe, Deine Mutter sein. Du bist ein Teil meines Ichs und ich werde immer wissen, dass es Dich gab. Ich weiß das ganz sicher.

 

Wie es weiterging

Ich habe den letzten Eintrag gelesen, jetzt, fast eineinhalb Jahre danach, und habe nachgedacht.

An vieles erinnere ich mich nicht mehr, dass mein Sohn nicht zur Schule wollte und dann doch ging, das sollte ich doch noch wissen? Immerhin ist er fast nie krank und fehlt so selten in der Schule, dass ich jedesmal neu überlege, wie ich den Entschuldigungsbrief korrekt formuliere.

Harry Potter habe ich noch lange vorgelesen, bis vor kurzem noch, dann war der siebte Band zu Ende und unsere Vorlesezeit nach mindestens zwölf Jahren vorbei. Was ich nicht alles vorgelesen habe, erste Bilderbücher (schau mal, das ist ein Teddy, das ist ein Ball, das ist eine Katze), Bilderbücher mit kurzen Sätzen und Reimen, Bilderbücher mit kurzen und dann längeren Geschichten. Wickie und die starken Männer, und dann, mit fünf, Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer, weil ich wollte, dass mein Kind die richtige Geschichte kennt und nicht nur das, was im KiKa unter diesem Namen zu sehen war. Das war das erste richtige Buch, und Harry Potter und die Heiligtümer des Todes das letzte. Alle Sams-Bände, die bis dahin erschienen waren, Räuber Hotzenplotz, die kleine Hexe und der kleine Wassermann, Winnie Puuh, Ritter Trenk, Seeräuber Moses, Pippi Langstrumpf, Kalle Blomquist, Ronja Räubertochter, Rico und Oscar, zuletzt eben fast zweieinhalb Jahre lang Harry Potter, und jetzt ist mein Kind dem abendlichen Vorlesen endgültig entwachsen.

Dass ich vor eineinhalb Jahren das Hotel New Hampshire las, wusste ich auch nicht mehr. Das erstemal las ich es mit achtzehn oder neunzehn und dann immer wieder mal, aber quasi neulich erst?

Ich weiß beim Lesen wieder, welches Geschenk ich gekauft habe (und auch, dass es dann doch nicht so gut ankam, weil die richtige Zeit, das richtige Alter, dafür gerade vorbei war, manchmal geht das ganz schnell) und auch die Geschichte mit der vermeintlich verlorenen EC-Karte fällt mir wieder ein.

Was immer noch so ist: die ungefähre Aufstehzeit, das Teekochen fürs Büro, die langen Donnerstage (War das ein Donnerstag? Es klingt so sehr danach.), das Lesen beim Frühstück und abends im Bett. Nudelsuppe gibt es immer noch ab und an und mag das Kind immer noch gerne.

Was nicht mehr so ist: den Freund gibt es nicht mehr. Es gibt ihn noch als Menschen, das wohl, es ist aber nicht mehr der Freund. Es geht mir gut damit. Damals, als der Vater meiner Kinder und ich uns trennten, machte er mir im Streit den Vorwurf, ich würde jetzt mein wahres Gesicht zeigen. Damals fand ich das lustig, denn ich empfand mich so, wie ich immer schon war, auch während unserer Beziehung. Der jetzt letzte Freund, der sagt das nicht zu mir, dabei stimmt es diesmal. Ich war in den letzten Jahren unserer Beziehung immer weniger so, wie ich sein wollte und das lähmte mich noch mehr. Jetzt bin ich mein wahres Ich, und jetzt, wo es stimmt, hält mir das niemand vor. Gut für mich, dass ich wieder ich bin in allen Bereichen.

 

 

Ein Tag 10

Es ist schon wieder der fünfte, hier steht mein Tagesverlauf, andere Tage gibt es hier, bei Frau Brüllen.

Mein Tag beginnt, nach einer unruhigen Nacht, um 6.13 Uhr. Dann nämlich wache ich von Geräuschen aus dem Kinderzimmer nebenan auf und das Kind fragt nach der Uhrzeit. Sieben Minuten vor dem Weckerklingeln ist es. „Ich steh auf, Mama, ich kann eh nicht schlafen, und für die Schule bin ich heute zu schlapp.“, dazu sage ich erst mal nichts. Gestern am Abend hat das Kind ganz auf einmal einen richtig fiesen Schnupfen gehabt, ohne Fieber, aber mit verstopfter Nase und Schlappheitsgefühl. Erst muss ich selbst richtig wach werden, ich bleibe also noch etwas liegen. Gegen 6.30 stehe ich auch auf, gehe ins Bad, bitte das Kind, Fieber zu messen und setze Wasser auf für meinen Bürotee. Die kindliche Körpertemperatur ist völlig normal, zur Schule kann er aber auf keinen Fall, sagt er. Ich sage dazu immer noch nichts, mache Frühstück nur für mich und esse Müsli und lese dabei. Das Kind beschließt, zumindestens auch frühstücken zu können und richtet sich auch Müsli her.
Mittlerweile habe ich beschlossen, auf jeden Fall zur Arbeit zu gehen, meine Betreuung scheint er auch nicht zu brauchen, wenn er daheim bleibt. Ich rate ihm, sich noch mal hinzulegen, wenn er schon zu schlapp für die Schule ist, das lehnt er ab, sooooo schlimm sei es doch nicht. Also doch Schule, frage ich. Hm, wenn der Schulweg nicht wäre, ob er den schaffe….laufen sei anstrengend, radfahren auch, ob ich vielleicht…. Nein, ich könnte, aber ich will nicht, der Weg ist nicht weit und mittags zurück müsste er auf jeden Fall dann laufen. Vielleicht doch heute lieber im Bett bleiben?
Das soll es auf gar keinen Fall sein, auf einmal fühlt sich das Kind doch gut genug für die Schule, fordert sein Pausenbrot ein und verlässt pünktlich das Haus. Geht doch, ganz ohne Stress und Strenge.
Ich lese noch ein bisschen, mache mich auch fertig, stelle noch die Spülmaschine an und fahre mit dem Rad ins Büro.

Der Vormittag verläuft ruhig und normal. In der Mittagspause will ich schnell in die Stadt, in der Apotheke Nasenspray fürs Kind besorgen und außerdem nach einem Geburtstagsgeschenk fürs Kind schauen, es sind keine vier Wochen mehr, und zu essen brauche ich auch noch etwas. Zuerst das Geschenk, es gibt einen Wunsch, aber in der Spielwarenabteilung des Kaufhauses hat man umgeräumt und ich finde erst gar nicht das richtige Regal. Eine Viertelstunde später, als ich grade aufgeben und eine Alternative nehmen will, stehe ich doch noch vor dem Spiel und nehme es gleich mit. An der Kasse dann ein großer Schreck: die EC-Karte ist nicht in ihrem Fach. Genug Bargeld zum Zahlen habe ich, das Geschenk kann mit, aber die Gedanken rasen. Wann hatte ich die Karte zuletzt in der Hand, das war am Samstag, das weiß ich, hm, in ein anderes Fach habe ich sie nicht gesteckt, in den Jackentaschen ist sie nicht, dann muss ich dort fragen, wo ich sie zuletzt hatte, ob etwas gefunden wurde.
Das mache ich und die Auskunft ist leider negativ. Noch als ich mich umdrehe und überlege, ob ich die Karte jetzt gleich sperren lasse oder noch mal im Auto schauen will, fühlt meine Hand in der Umhängetasche, da, wo grad eben noch nichts zu finden war, etwas, das glatt die Karte sein könnte und auch ist, aber wie sie dahin kam, bleibt ein Rätsel.
Nun ist es schon spät, wie spät genau, kann ich nicht prüfen, denn mein Handy, das auch meine Uhr ist, habe ich heute daheim vergessen. Auf jeden Fall muss ich ins Büro zurück, es reicht grad noch für einen Zwischenstopp beim Bäcker, die Apotheke vergesse ich komplett.

Im Büro zurück geht es weiter mit Arbeit, für den Nachmittag habe ich mir vorgenommen, endlich die Vertretungsakten meiner Kollegin anzugehen, die mein erster Ausflug in die Welt der elektronischen Akte sein werden. Zum Glück hat sie mir vor ihrem Urlaub einen Crashkurs gegeben, denn von der Schulung im Juni weiß ich nicht mehr viel. Am Ende bin ich ganz stolz, weil sie mir das so gut erklärt hat, dass ich mit meinen Notizen schon gut zurecht komme und ich nur einmal mit einer Fehlermeldung eine andere Kollegin fragen muss und dann auch noch alles verstehe. Puh, vor diesem Teil der Vertretung hatte ich großen Respekt!

Durch die ungeplant lange Mittagspause arbeite ich bis 17.00 Uhr, nur unterbrochen von zwei Telefonaten mit dem Kind. Im ersten Telefonat erzählt er mir vom Schultag, im zweiten sage ich, dass ich länger bleibe und dann noch einkaufen werde und er erinnert mich am sein Nasenspray und auch an Taschentücher, aber bitte die mit dem Duft, die seien ja so toll. Ich find sie ja grauslig, der Freund hat sie mal mitgebracht, aber wenns sein muss… Außerdem klären wie gleich noch, was es zum Abendessen geben soll, das Kind wünscht sich Suppe, ganz einfach Gemüsebrühe mit Nudeln. Ich nehme außerdem noch Ofenkäse mit, dazu kann es Salat geben, der ist schon da.

Erst also Apotheke, dann Supermarkt und Bäcker, dann fällt mir draußen am Fahrrad ein, dass ich die Taschentücher vergessen habe, also noch mal Supermarkt und dann endlich heim!

Kurze Pause, der Freund kommt auch direkt nach mir an, das Kind überlegt, ob es jetzt mehr Appetit auf Suppe oder auf Käse hat, entscheidet sich für Suppe und ich mache Essen. Während die Suppennudeln kochen, räume ich die Spülmaschine aus, frage das Kind für den morgigen Test ab und dann habe ich endlich auch Feierabend. Für all das, was ich im Haushalt heute noch machen wollte, bin ich zu müde.

Das Kind isst zwei Teller Suppe mit Nudeln und Backerbsen und dann den Käse, den der Freund und ich übrig gelassen haben, schaut auf seinem Tablet Videos oder im Fernsehen Bugs Bunny und ich liege lesend auf dem Sofa.

Um 20.00 Uhr soll das Kind sich bettfertig machen, dann liegen wir beide in meinem Bett und ich lese vor (Harry Potter und der Feuerkelch), wir schaffen ein halbes Kapitel.

Dann ist es 21.00 Uhr und ich habe zum zweiten Mal für heute Feierabend. Ein bisschen lese ich auf dem Sofa und überlege, ob ich heute noch den Tag aufschreibe, das Kind ruft mich noch zweimal wegen ganz wichtiger Dinge, dann beschließe ich, dass ich auch im Bett tippen kann. Dort ist es bequemer und wärmer und da bin ich jetzt, um 22.41 Uhr, ich werde gleich noch Zähne putzen und dann noch etwas lesen (Internet oder The Hotel New Hampshire) und dann bald müde genug zum Einschlafen sein.

Ein Tag 9

Es ist Samstag, der fünfte September. Andere fünfte gibt es hier.

Dieser Tag beginnt wie die meisten in der letzten Zeit mitten in der Nacht. Ich sehe grundsätzlich nicht nach, wie spät es ist, um nicht zu überlegen, wie lange ich noch schlafen kann, ob es sich noch lohnt, wieder einzuschlafen, um nicht zu wissen, wie lange ich wach liege. Es ist dunkel und ruhig draußen und ich liege lange wach, schlafe aber noch einmal ein.

Das nächste Mal wache ich auf um 7.11 Uhr, da höre ich nämlich meinen Sohn aufstehen und sehe nach der Uhrzeit. Er ist heute verabredet mit einem Freund, erst Freizeitpark, dann Übernachten. Wenn es nicht in Strömen regnet, wird er um kurz nach neun abgeholt. Allen Wettervorhersagen zum Trotz ist es trocken und sogar sonnig, sieht also gut aus. Ich bleibe noch liegen und döse wieder ein bis zum Weckerklingeln um acht.

Dasa Kind frühstückt und packt seine Sachen zusammen, ich ziehe mich an und warte mit ihm, bis sein Freund mit Vater vor der Tür steht. Kurze Besprechung, ich werde die beiden um halb fünf abholen und zum Freund bringen, es sei denn, sie wollen früher abgeholt werden, dann müssen sie mich anrufen.

Als sie weg sind, lege ich mich wieder hin und lese mit kurzen Internetpausen weiter im gestern Abend begonnenen Buch (Marian Keyes, The Woman Who Stole My Life) und überlege, ob ich noch in die Stadt zum Wochenmarkt gehen will. Ich brauche nicht wirklich etwas vom Markt, aber ich muss Geld abheben und in den Teeladen müsste ich auch, aber ich zögere so lange, bis draußen ein heftiger Schauer runterkommt und beschließe dann, im Bett zu bleiben.

Gegen halb eins stehe ich aber doch auf, denn ich will meine Haare waschen und sie brauchen lange zum Trockenen und ich mag nicht gern mit nassen Haaren rausgehen.
Inzwischen haben zwei Freunde angerufen und nach dem Kind gefragt, ich bin froh über seine stabilen Freundschaften.
Der nächste Anruf um 14.11 Uhr überrascht mich aber, denn es sind die Jungs, sie wollen jetzt schon abgeholt werden. Also fertigmachen, zum Freizeitpark fahren, die Jungs einsammeln, zum Freund bringen, auf dem Rückweg kurz einkaufen, wieder nach Hause komme ich erst kurz vor vier.

Dann möchte mein Freund noch mal in die Stadt, sich eine Jacke kaufen und möchte mich zur Beratung dabei haben. Also brechen wir noch einmal auf, ich kann gleich noch zum Geldautomat, mein Freund findet eine Jacke und daheim verziehe ich mich aufs Sofa, denn mittlerweile habe ich Kopfschmerzen und müde bin ich auch etwas. So habe ich Ruhe zum Weiterlesen und zwischendurch Internet. Gekocht wird heute nicht.

Das Telefon klingelt noch zweimal, einmal ist es mein Vater, einmal der Vater des Kindes.
Jetzt ist es zehn, die Kopfschmerzen sind noch immer da, ich will jetzt noch weiterlesen und später hoffentlich schlafen.

Ein Tag 8

Es ist wieder der fünfte, da werden hier Tagebuchberichte gesammelt.

Dieses Mal kann es sein, dass ich um 0:00 Uhr noch wach war, denn hier sind Sommerferien und ich habe Urlaub und da sind wir lange auf und schlafen lang, also habe war ich zwar auf jeden Fall schon im Bett aber habe vielleicht noch gelesen (Internet am Ipad). Ich habe gar nicht gut geschlafen, denn es war warm im Schlafzimmer und der neben mir schlafende Mann hat immer wieder ziemlich geräuschvoll geatmet („ich habe gar nicht geschnarcht!“). Also war ich mehrmals wach, war im Bad, hab mich wieder hingelegt, bin eingeschlafen, wieder aufgewacht und habe irgendwann Licht gemacht und gelesen (Anne Perry, The Angel Court Affair), bis das Kind nebenan unruhig wurde und ich, weil ich ihn nicht vollständig wecken wollte, das Licht lieber wieder ausgemacht habe. Jedenfalls weiß ich jetzt, dass die Zeitung ziemlich genau um fünf kommt.

Irgendwie muss ich allen Hindernissen zum Trotz doch noch einmal eingeschlafen sein, denn als der Wecker um halb acht klingelt, erfüllt er seine Funktion und weckt mich auf. Wecker musste heute sein, weil das Kind heute an einer Ferienaktion teilnimmt und um neun am Treffpunkt sein muss. Das Kind wecke ich dann beim zweiten Schlummerklingeln und stehe auf. Bad, Küche (eine Handvoll Schoko-Cornflakes ohne alles für mich) und dann Sofa mit Ipad zum Wachwerden. Das Kind steht auch auf, macht sich selbst Frühstück, wir ziehen und an, sind beide noch mal nacheinander im Bad und dann gehen wir um kurz nach halb neun aus dem Haus, denn vor lauter Ferienmodus haben wir gar nicht mehr eingekauft und kein Mitnehmessen im Haus.

Mit dem Fahrrad geht es in die Stadt, erst einen Kuchenteller mit Dank zurück ins Café, das ihn (mit Kuchen gefüllt) meiner Freundin neulich ausgeliehen hat, dann zum Bäcker und Biostand auf dem Wochenmarkt, Proviant fürs Kind kaufen, Eisgeld fürs Kind in dessen Rücksack verstauen und dann zum Treffpunkt, wo es fürs Kind dann auch gleich losgeht.

Ich gehe auf dem Rückweg noch einmal in Ruhe über den Markt, kaufe Gemüse und Bananen und fürs Frühstück noch Brötchen und fahre wieder heim.

Dort gibt es dann erst mal Frühstück mit Ei und Tee und dann noch etwas Lesepause, bis ich mir die Babydecke für die kleine Cousine schnappe. Der Rand muss noch fertig werden, denn morgen soll Übergabe mit Babykuscheln sein. Während ich häkle, sehe ich DVD (Brothers and Sisters) und als ich endlich fertig bin, ist es schon nach eins und ich gönne mir einen Mittagsschlaf. Eine Stunde und eine Dusche später nehme ich mir den angefangenen Schal für meine Schwester vor, der aber nicht fertig werden will. Immer wieder stimmt das Muster nicht, ich muss ribbeln (es leben die Lifelines) und neu starten und gebe schließlich für heute auf und nehme mir ein einfaches Strickstück vor, dazu gibt es weitere Folgen der Serie.

Weil es heute vom Wetter her möglich ist und das Kind morgen für ein paar Tage wegfährt, überlegen wir, ob wir heute noch grillen, ich kann meinen Freund überreden. Gegen halb sechs ist das Kind wieder da, erzählt und ist geschafft, fährt aber trotzdem noch mit mir Einkaufen (quietschenden Grillkäse für mich, Fleisch und Würstchen für die anderen, Drogeriemarktgutschein für die Babyeltern) und dann wird zu Hause gegrillt.

Es sind von gestern noch Pellkartoffeln da, die werden noch einmal in der Mikrowelle erwärmt, ich mache Grillkäse-Gemüse-Spieße für mich und Salat für alle, das Kind die Salatsauce und gegen sieben können wie essen.

Für mich gibt es als Nachtisch eine gegrillte Banane, für das Kind die Würstchen, von denen wir dachten, die sind zu viel, aber mein Kind hatte noch mehr Appetit als sonst schon (und ist immer noch ein dünner Schlacks).

Überm Essen ist es schon halb neun geworden, die Männer haben sich auf Fußball verständigt, das Kind will aber erst noch etwas an der Wii zocken („immer wenn Fußball kommt, muss ich irgendwie dringend Fifa spielen“) und ich beschließe, meine Ruhe im Schlafzimmer zu suchen, mit Laptop, denn es ist ja der Fünfte.

Auf dem Weg dahin starte ich noch die Spülmaschine und wasche meine Füße, die nach ständigem Barfußlaufen so nicht ins Bett sollen.

Während der Laptop startet, schreibe ich kurz mit einer Freundin übers Handy, dann etwas länger am Laptop und schließlich hier.

Jetzt ist es schon halb elf, ich werde das Kind gleich ins Bett scheuchen, die Frage, wo er heute schläft, ist schon geklärt (bei mir, denn „ich bin ja dann so lange nicht da“ und bei Schmeicheleien wie „Thank you for being my mum“ kann ich nicht hart bleiben).

Zum Einschlafen werde ich dann wohl noch ein paar Seiten Anne Perry weiterlesen, denn morgen können wir wieder ausschlafen, vor Mittag müssen wir nicht los.